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Die Drachenkralle

1

Der heutige Tag war für Lodran wohl der härteste seines Lebens gewesen. Sicher, er war nun schon sein 15 Jahren in den Ritter im Dienst des Königs des Südens. Aber diese grausame Schlacht sprengte alle Dimensionen. Gut 30.000 Krieger lagerten vor den mächtigen Mauern der inneren Königsstadt und heute morgen waren es noch 35.000 gewesen. Bereit, die Stadt zu brandschatzen, zu plündern und ihre Bewohner zu versklaven.

Überall auf der Mauerkrone rund um Lodran lagen Leichen. Grässlich verstümmelt oder verbrannt. Lodran überblickte den ihm zugeteilten Bereich der Stadtmauer und den geschundenen Rest seiner heute morgen noch ihm unterstellten 60 Verteidiger. Nur die Gewalt des Kapossischen Feuers, einer flüssigen, brennenden und nicht löschbaren Teufelsmischung hatte den Vormarsch der Angreifer eben zum Zusammenbruch gebracht und ihr Leben gerettet.

Lodran war völlig am Ende. Doch nun mussten die Spuren des Gemetzels beseitigt werden. Ratten und Ungeziefer warteten schon darauf, sich an ihnen gütlich zu tun. Er stand auf und fing an, die grässlichen Überbleibsel der Schlacht von der Mauer zu schleppen. Seine erschöpften Leute halfen ihm mit mechanischen müden Bewegungen, abgestumpft vom Grauen des Tages, dem Grauen der Schlacht und des Todes. Sie warfen die toten Körper nach hinten von der Mauer, von wo Bürger der Stadt diese zu riesigen Scheiterhaufen schleiften. Der übrige Schutt wurde nach vorne von der Mauerkrone gekippt, wo er gerne am nächsten Tag die Angreifer behindern durfte. Sie würden wieder angreifen, denn es drohte die Ankunft eines verbündete Entsatzheeres und sie mussten die Königsstadt vor dessen Eintreffen einnehmen.

Lodran hatte sich mit einem anderen Ritter namens Hastan zusammengetan und schon drei Leichen über den blutgetränkten Boden nach hinten geschleppt, als ihm ein regungslos dastehender Hilfssoldat aus der Stadt auffiel. Zunächst dachte er, der Mann sei vom Grauen dieses Tages gepackt worden. Dann jedoch ging der Mann, der Kestor hieß, in die Hocke und beugte sich über die verkohlte Leiche eines Angreifers.

„Na ? Hast Du was aus Gold gefunden ?“ Kestor reagierte nicht auf Lodran, sondern nahm einen größeren Gegenstand in die Hand, den die Leiche offenbar an einer Kette um den Hals trug. Lodran konnte nicht erkennen, was es war und trat mit Hastan näher an die Leiche heran. Es handelte sich um einen toten Krieger aus Mirum, einem uralten Königreich, das sich mit den angreifenden Völkern verbündet hatte. Zwar war seine obere Körperhälfte völlig verbrannt, jedoch konnte man an seinen Beinkleidern noch seine Herkunft erkennen.

Der Gegenstand an der Kette war jedoch nicht aus Gold. Vielmehr schien er aus einem Material wie Horn zu sein, war etwa so lang wie eine ausgestreckte Hand und leicht gebogen wie die Kralle eines Tieres. Seine Farbe war außergewöhnlich. Während oberhalb der Hüften der gesamte Söldner völlig schwarz verkohlt war, war der Gegenstand als einziges von einer mittelgrauen Farbe, glänzte und schien in der untergehenden Sonne irgendwie in allen Farben des Regenbogens zu schillern. Erfolglos zog Kestor an der Kette, um den krallenförmigen Anhänger von seinem Besitzer zu trennen. Die höllische Hitze des Feuers hatte sie jedoch mit seinem geschwärzten Brustpanzer verschmolzen.

Hastan beugte sich ebenfalls zu der Leiche hinunter und zückte seine Streitaxt. Er schob Kestor auf die Seite und hieb mit einem Streich quer über die Leiche die Kettenreste durch. Er stand auf, hielt den Anhänger in der Hand und betrachtete ihn. „In der Tat, das ist wirklich eine Kralle“ , murmelte er und hielt dieselbe ein wenig höher, damit mehr Sonnenstrahlen auf sie fielen. Sie schillerte nun stärker. „Die Kralle eines Drachen !“

Lodran horchte auf. Er wusste, Hastan war der Schreiber seiner Hundertschaft und selbst für einen solchen außerordentlich gebildet. Wenn er mit solcher Sicherheit diesen Anhänger als Drachenkralle identifizierte, war etwas daran. Dennoch hatte Lodran Zweifel an Hastans Feststellung. Schon mindestens 500 Jahre gab es selbst in den entferntesten Winkeln der bekannten Welt keine Drachen mehr. Wie sollte hier nach solch langer Zeit eine Kralle eines solchen schon fast fabelhaften Geschöpfes auftauchen. “Wie soll denn ein einfacher Krieger wie der an eine Drachenkralle gekommen sein ? Und warum trägt er sie um den Hals ?“ fragte er Hastan.

Kestor war bei dem Wort „Drache“ ängstlich geworden und wich mit Furcht in den Augen einige Schritte zurück. „Ein Ding von einem Zauberwesen ! Weg, weg damit !“ Als einfacher Zimmermannsgehilfe aus der Stadt war er voll von Aberglauben. Hastan hielt die Kralle jedoch weiter in der Hand und beachtete Kestor nicht. Statt dessen antwortete er Lodran.

„Der Tote kommt aus Mirum. Mirum gab es schon, als es überall auf der Welt Drachen gab. Und ich nehme an, er hat die Kralle zu seinem Schutz um den Hals getragen.“
„Zum Schutz ? Wovor sollte sie ihn schützen ?“ Lodran blieb skeptisch.
„Na vor unserem Kapossischen Feuer ! Nach einem Aberglauben schützen solche Drachen-Artefakte vor dem Feuer.“
Lodran betrachtete den verkohlten Leichnam. „Na so richtig scheint es ja bei ihm nicht funktioniert zu haben.“
Hastan war immer noch fasziniert. „Na die Farbe und vor allem dieses Schimmern, genau so hab ich in alten Büchern Drachenkrallen beschrieben gesehen. Und zwar Krallen von feuerspeienden Riesenlindwürmern.“

Nun phantasierte Hastan in Lodrans Augen aber. Ob es jemals so riesige Drachen gegeben hatte, bezweifelte er. Die letzten Drachen vor 500 Jahren sollen wie Tiere gewesen sein, etwa doppelt so groß wie ein Mensch, verkrochen in Höhlen lebend – und mitnichten Feuer speiend. Für einen solchen Drachen war die Klaue jedoch zu groß. Auch war sie als Schmuckstück bestimmt nicht bequem um den Hals zu tragen, so dass der tote Söldner mit ihr wirklich einen anderen Zweck verfolgt haben musste. Für ein Geschöpf der Größe der intelligenten Riesenlindwürmer aus alten Sagen war die Kralle allerdings zu klein. Er nahm sie Hastan aus der Hand und betrachtete sie genauer.

„Auf der Kralle ist was drauf graviert“ stellte er fest. „Was sind denn das für komische Zeichen ?“ Hastan betrachtete sie fachmännisch. „Das sind mirumische Runen. Bestimmt tausend Jahre alt. Die kann heute außer einer Handvoll Gelehrter kein Mensch mehr entziffern." „Und was machen wir jetzt mit dem Ding ?“ Trotz aller Faszination an diesem Relikt kam Lodran ihre grauenvolle Arbeit wieder in den Sinn. Sie sollten rasch mit der Beseitigung der Leichen fertig werden. Morgen früh würde die Schlacht ihre blutige Fortsetzung finden.

Hastan drückte Lodran die Kralle in die Hand. „Ich würd mal sagen, Du gibst die Krallen einfach einem Gelehrten. Vielleicht Andrubal in deinem Quartier. Wer weiß, warum die", er deutete auf die Angreifer , "sonst noch sowas bei ihrer Attacke mitnehmen.“ Hastan war hier der Gebildetere – und dieser Andrubal seinem Ruf nach der Gebildetste der ganzen Stadt. Also warum nicht diese Kralle zu ihm bringen ? Andrubals Quartier war genau neben Lodrans. „Also gut, ich bring sie zu dem alten Gelehrten“ meinte er zu Hastan und steckte sie in seinen Beutel.

Bildquellen v.l.: Slowjar-GFDL, Manfred Werner-GFDL, Edson Pedrassani-CC

2

Die Angriffswelle des zweiten Tages auf die innere Stadt rollte. Die Sonne war vor gerade einer Stunde aufgegangen und zahlreiche Belagerungstürme rollten durch die zerstörte Vorstadt vor der Mauer auf diese zu. Riesigen Hagelkörnern gleich prasselten die Geschosse zahlreicher Katapulte hernieder. Schwärme von Pfeilen flogen ihnen hinterher. Tief hinter die Mauerzinnen geduckt und Schilde über den Kopf harrten Lodrans Leute den kommenden Angreifern.

Bogenschützen und Katapultmannschaften hatten sich im Lauf des ersten Schlachttages eingeschossen. Gefährlich nah schlugen viele feindliche Geschosse ein. Ziel war auch Lodrans Abschnitt, nicht zuletzt weil hier große Schwenkarme standen, von denen aus man das flüssige Kapossische Feuer in weitem Radius über die angreifende Armee schütten konnte. Lodran dachte an den gestrigen Abend zurück. Den große Gelehrten Andrubal hatte er nicht angetroffen. So hatte Lodran die Drachenkralle auf dem Tisch in dessen Arbeitszimmer gelassen, mit einem kurzen Zettel daneben, wie er zu ihr gekommen war.

Wie eine riesige Herde Ameisen näherten sich unten unter der Deckung ihrer Schilde und der Belagerungstürme die angreifenden Massen. Drei Belagerungstürme kamen auf Lodrans Abschnitt zu. Die Ausschaltung der Schwenkarme sollte ihr Ziel werden. Doch zuvor sollten die gegnerischen Truppen, nun am Fuß der Mauer, die Macht des Kapossischen Feuers zu spüren bekommen. Auf ein Signal Lodrans schwenkten zwei riesige waagerechte Arme über die Mauer nach außen, an denen jeweils drei große längliche Beutel aus Tierhaut hingen. Beutel mit einer tödlichen Fracht. Angsterfüllte Blicke nach oben von Kriegern vor der Mauer ruhten bereits auf ihnen. Auf ein zweites Signal zogen Lodrans Männer an Seilen, die an den Beutel befestigt waren. Ein Pfeilhagel und Steingeschosse gingen von unten auf sie nieder. Doch auch damit konnten die Angreifer ihr grauenvolles Schicksal nicht verhindern. Eine Flüssigkeit ergoss sich aus den Beuteln noch im Fall entzündent und ging verteilt auf der volle Länge des Schwenkarms auf sie nieder. Mehrere Dutzend Krieger am Boden gingen in Flammen auf. Unlöschbare, grausame Flammen, die alles verzehrten. Sie wurden zu lebenden Fackeln, schreienden Kreaturen, deren letzte Minuten die grauenvollsten ihres Lebens wurden. Ein weiter Beutel mit dem Kapossischen Feuer flog abgeschossen durch ein spezielles Katapult auf einen der heranrollenden Belagerungstürme und setzte diesen ebenfalls in Brand.

Lodran gab ein weiteres Signal und Kleinkatapulte, die viele Steine enthielten, ergossen einen tödlichen Hagel auf die sich nun in Panik befindlichen Krieger unten, die brennend oder in Panik durcheinander liefen. Schreie erfüllten die Luft und der beißende Rauch verbrannten Fleisches. Der bereits brennende Belagerungsturm war das Ziel von zwei großen Steingeschossen aus der Stadt, die große Löcher in seine Außenhaut rissen, so dass Lodrans Bogenschützen die Krieger darin mit Pfeilen beschießen konnten. Nach kurzer Zeit flog ein weiterer Feuerbeutel des Spezialkatapults direkt in ein Loch in der Außenhaut. Der Turm verwandelte sich in ein weiteres Inferno. Laute Schreie, springende, brennende Krieger folgten, er war außer Gefecht gesetzt und stoppte.

Nun ging es darum, die Schwenkarme so schnell wie möglich wieder zu bestücken. „Schneller, schneller !“ brüllte Lodran die Männer an, die die Arme wieder zurückfuhren. Danach fingen sie an, diese mit neuen Beuteln zu bestücken. Pfeilhagel ergossen sich von unten. Zahlreiche Brandpfeile waren darunter, die hofften, einen der Feuerbeutel hinter der Mauer zu treffen, bevor sie ihre tödliche Fracht auf die Angreifer entladen konnten.

Die richtige Befestigung der Beutel war wichtig, Lodran setzte hier seine besten Männer ein. Hastan und Kestor waren darunter. Die Beutel wurden an Schlaufen eingehängt, Seile an einer vorbereiteten Öse befestigt und zu den Männern gelegt, die das Fallen des brennenden Todes auslösten. Die Beutel wurden durch eine Falltür aus den Tiefen der Mauer gebracht, wo sie für feindlichen Brandpfeile nicht erreichbar waren.

Die Krieger am Fuß der Mauer erholten sich langsam von ihrer Panik. Viele waren in den Flammen und unter den Steinen gestorben, doch andere nahmen ihren Platz ein und rückten zahlreiche Sturmleitern heran. Steingeschosse und Pfeile ergossen sich auf die schwer arbeitenden Verteidiger. Lodran sah ihn im letzten Moment kommen. Einen Pfeil. Einen Brandpfeil, der direkt auf einen der Beutel flog. Einen Beutel, der gerade von einem seiner Männer auf den Arm gehievt wurde. Es was Kestor.

Es war ein Volltreffer. Von einem Moment auf den anderen stand Kestor in Flammen. Er schrie aus voller Kehle. Auch ein daneben stehender Mann hatte Feuer gefangen und riss verzweifelt einen brennenden Lederharnisch vom Leib. Für Kestor war jede Hilfe zu spät. Es war ein furchtbarer Anblick. Schreiend und brennend brach er zusammen. Doch Lodran hatte keine Zeit und keine Augen für ihn. Die beiden übrig gebliebenen Belagerungstürme waren heran und ihre Zugbrücken wurden rasselnd heruntergelassen. Ein Strom feindlicher Krieger ergoss sich aus ihnen.

Lodran brüllte „Herum ! Herum !“ und gestikulierte widl zu seinen Männern. Sie schwenkten die Arme flink nach außen, die bis auf Kestors Beutel voll bestückt waren, während Lodrans Schwertkämpfer und Bogenschützen die ersten auf der Mauer angekommenen Krieger begrüßten.
Als die Arme über den Zugbrücken der Belagerungstürme waren, verwandelten Lodrans Männer auch diese in ein Feuermeer. Lodran zählte die mittlerweile auf seinem Teil der Mauer befindlichen feindlichen Krieger. Vierzig mochten es sein. Mehr durften es nicht werden, sonst war die Mauer, war die ganze Stadt in Gefahr. Und sie scharten sich bereits um drei Sturmleitern, die hinter ihnen an der Mauer lehnten und ständig neue Krieger ausspuckten. Lodran zog sein Schwert und stürzte sich neben Hastan in die vorderste Reihe in den Kampf. Er focht mit einem Krieger, einem fast zwei Meter großen Hühnen bewaffnet mit einem Krummsäbel.

Brennende feindliche Krieger liefen sterbend auf den ebenso brennenden Zugbrücken ihrer Belagerungstürme herum. Viele fielen in die Tiefe, einige liefen zurück in ihre Türme, aus denen nun ebenfalls Rauch drang. Einige sprangen hinter ihren wohlbehalten angekommenen Kameraden auf die Mauer und rannten schreiend auf die Verteidiger der Stadt zu.

„Nicht durchlassen !“ brüllte Lodran seinen Leuten zu und deutete auf eine der schreienden brennenden Gestalten. Sie hielt direkt auf einen Schacht zu. Einen Schacht, aus dem die Feuerbeutel für die Schwenkarme heraufgeholt wurde. Die Falltür des Schachtes stand offen. „Falltür zu !“ schrie Lodran. Doch seine Leute waren zu weit weg oder in in den entbrannten blutigen Nahkampf auf der Mauerkrone verwickelt. Hastan traf gerade seinen Gegner mit einem tiefen Hieb in den Rumpf. Verzweifelt sah er auf die brennende Gestalt und riss an seiner Axt. Sie wollte aus dem Körper des Mannes nicht heraus. Er ließ sie los und stürzte mit bloßen Händen auf die Gestalt zu. Er hatte erkannt, dass außer ihm niemand mehr den panischen brennenden Krieger vor dem Schacht aufhalten konnte. Aufhalten konnte, bevor dieser dort hinabfiel und den gesamten Mauerabschnitt in eine Flammenhölle verwandelte. Todesmutig sprang er auf den Krieger und warf ihn um. Er rollte mit ihm am Boden, doch die Flammen gingen nicht aus, die Flammen ergriffen auch Besitz von ihm. Er wälzte sich brennend mit dem Feind am Boden. Er hatte keine Chance mehr. Er verbrannte. Geistesgegenwärtig lief jemand zum Schacht und schloss die Falltür. Neue Krieger sprangen aus den Türmen über die brennenden Zugbrücken auf die Mauer, wobei einige in die Tiefe stürzten. Lodran schluckte. Seine Verteidiger waren nun in der Unterzahl. Und es wurden immer mehr Feinde.

3

Ein grauhaariger bärtiger Mann stolperte etwa zur gleichen Zeit müde in sein Arbeitszimmer. Andrubal war völlig erledigt. Tagelang hatte er den Heilern geholfen und Besprechungen über Strategie und Taktik mit dem Königlichen Rat geführt. Sein Kopf brummte, in den beiden letzten Nächten hatte er keine vier Stunden geschlafen. Nun tobten auf den Mauern erneut die Kämpfe, aber er brauchte Erholung. Er brauchte Schlaf.

Müde ließ er sich in seinen bequemen Lehnstuhl fallen, seinen einzigen Luxus außer seiner umfangreichen Bibliothek, die sich in zwei mächtigen Regalen an der Wand befand. Er fühlte sich in diesem Moment noch wesentlich älter, als er ohnehin schon war. Andrubal rieb sich die Augen und lehnte sich an. Doch da lag schon wieder etwas auf seinem Schreibtisch. Was mochte es sein, er wollte es erst gar nicht wissen.

Doch der Gegenstand, der dort neben einem Zettel lag, machte ihn sogar in seinem jetzigen Zustand neugierig. Er nahm ihn in die Hand und betrachtete ihn aufmerksam von allen Seiten. „Das kann doch nicht ...“ dachte er, „doch das muss ...“ Eiliger, als man es noch vor einigen Sekunden möglich gehalten hätte erhob sich Andrubal aus seinem Stuhl und schlufte zu seinen Büchern. Hier ... sein Zeigefinger streifte über uralte Buchrücken, bis er auf einem verharrte. „Wesen und Untergang der Gattung der Drachen“, eines der ältesten Werke seiner stolzen Sammlung. Vorsichtig nahm er das Buch, legte es auf seinen Schreibtisch, setze sich wieder und schlug es auf. Er fand recht schnell eine Seite mit einer Reihe von Zeichnungen.

„In der Tat, die Kralle eines jungen Riesenlindwurms. Unglaublich“ murmelte er vor sich hin und blätterte so vorsichtig wie möglich einige Seiten weiter. Ein Riesenlindwurm, dachte er, die mächtigste und intelligenteste jemals auf Erden wandelnde Drachenart. Ein Lebewesen aus den Urzeiten des Kontinents, einer Zeit der Magie und der Mythen. Die letzten, ja hier stand es, die letzten beiden Exemplare, eine Mutter mit ihrem Jungen waren vor über tausend Jahren von Drachentötern aus dem Reiche Mirum zur Strecke gebracht worden. Andrubal griff nach dem bei der Kralle liegenden Zettel und überflog ihn, ja bei einem mirumischen Krieger hatte ein Ritter sie gefunden. Unglaublich, nach über 1000 Jahren und sie sah aus wie gestern erst von der riesigen Klaue eines solchen Ungetüms abgefallen.

Andrubal griff nach einem gläsernen Vergrößerungsstein auf seinem Tisch und betrachtete die Kralle durch ihn nochmals genauer. Er bemerkte die eingravierte Schrift und ging erneut zu einem seiner Bücherregale, dieses mal auf der Suche nach Werken über Runen und mirumische Sprache. Diese Entzifferung würde nicht einfach werden, die mirumischen Runen, vor über 700 Jahren ausgestorben und durch die jetzige Schrift ersetzt, bestanden aus hunderten von Silbenzeichen und nach der Entzifferung würde es dauern, die alte Sprache zu übersetzen, auch wenn er das aktuelle Mirumisch verstand. Aber dieser uralte Gegenstand hatte seine Forscherleidenschaft nun schon entfacht.

So schnell es sein geschundener alter Körper noch vermochte schlurfte er zum Bücherregal, zog zwei weitere Bände heraus, setzte sich, griff nach Federkiel und Papier und machte sich an die Arbeit. Zeichen für Zeichen enträtselte er die Runen und machte sich über den Sinn seiner Ergebnisse noch gar keine Gedanken, das musste erst der zweite Schritt nach der Schriftübertragung sein. Gedämpft drang von draußen der Schlachtenlärm herein. Immer wieder rieb sich Andrubal die müden Augen, arbeitete jedoch konsequent und überlegt an dem wohl interessantesten Forschungsstück, das er in den letzten 30 Jahren in den Händen gehalten hatte. Eine knappe Stunde war vergangen, bis er die altertümlichen Zeichen in normale Buchstaben übertragen hatte, dann machte er sich an die Übersetzungsarbeit.

Mit Sicherheit hatte der Text etwas mit den letzten großen Feuerdrachen zu tun. Die Art der Runen stammt genau aus jener Epoche, aus der die Existenz der letzten Riesenlindwürmer überliefert ist. Die Kralle stammt von einem Jungtier. Ein Jungtier war unter diesen letzten. Andrubal blätterte in seinem alten Drachenwerk und las nach. Da stand es. Geboren zu einer Zeit, als sein Vater schon von menschlichen Drachentötern gemeuchelt war, die dann auch seiner Mutter und ihm auflauerten und beide töteten. Das half ihm nicht viel weiter, er sollte es doch erst einmal mehr über die Inschrift versuchen.

Er versuchte, Verwandtschaften zwischen den übertragenen Wörtern und solchen aus der aktuellen mirumischen Sprache herzustellen. Kein einfaches Unterfangen bei 1000 Jahren Sprachentwicklung, doch er war hartnäckig und kam stetig vorwärts. Der Schlachtenlärm von draußen wurde lauter, mit Sicherheit waren die Angreifer irgendwo in großer Zahl auf die Mauerkrone gelangt. Einzelne verirrte Steigeschosse und gelegentlich Pfeile schlugen vermehrt in der Umgebung von Andubals Haus ein. Es war ein ehemaliger und befestigter Gutshof am Stadtrand, auch Quartier einer Reihe von Rittern. Andrubal machte sich keine Sorgen. Die Mauern waren festungsartig dick und durch sein zur Stadtmitte zeigendes mit Eisenstäben vergittertes Fenster würde es kein Felsbrocken schaffen, in sein niedriges Zimmer zu fliegen.

Nachdem er eine mögliche Übersetzung kreiert hatte, betrachtete er sie nachdenklich. Irgendwas war falsch. Er zog erneut seinen Drachenwälzer heran und blätterte auf der Suche nach Details über die letzten Riesenlindwürmer. Weiter hinten stand etwas Interessantes, mit tränenden Augen versuchte sich Andrubal zu konzentrieren. Sein Zeigefinger wanderte über die Jahrhunderte alten Seiten. Ja, das machte Sinn. Er griff nach seiner Übersetzung, strich einige Worte der Übersetzung durch und ersetzt sie durch andere. Ihm dämmerte der Sinn der Inschrift, die Zusammenhänge mit dem Text aus dem Buch. Er wurde bleich und starrte die Drachenkralle an. Langsam erhob er sich von seinem Lehnstuhl. Die Müdigkeit schien von ihm abgefallen. Unruhe und Angst lagen in seinen Augen. Andrubal ließ alles liegen und stehen und ging zur Tür. Ohne irgend etwas beiseite zu räumen griff er nach seinem Hut und verließ sein Arbeitszimmer. Er musste dringend zur Königsburg.

4

Dieses mal war es um Haaresbreite gewesen. Auf seinem Abschnitt und nicht nur dort war eine große Anzahl von Feinden auf der Mauer gewesen, den dortigen Verteidigern weit überlegen. Lodrans Leute waren auf verlorenem Posten gestanden.

Doch der König war auf einen solchen Einbruch vorbereitet gewesen. Fünf Hundertschaften Ritter waren zu Pferd im Galopp aus der Königsburg zur Einbruchsstelle in Lodrans Abschnitt geritten und nahmen die eingebrochenen Krieger von beiden Seiten in die Zange, schnitten sie sofort von dem Rückweg die Mauer hinunter ab und zerstörte die Sturmleitern und Zugbrücken, um den Nachschub an neuen Feinden auf die Mauer zu unterbinden. Es waren ausgeruhte Elitetruppen die die durch drei Kampftage schon ermüdeten Angreifer auf der Mauer mühelos niedermachten. Nur gut einem Dutzend gelang es, sich in die Stadt von der Mauer abzuseilen und sich in den Gassen der benachbarten Viertel zu zerstreuen, sogleich verfolgt von der wütenden Stadtwache. Die meisten davon waren nun wohl ebenfalls in Gefangenschaft oder nicht mehr am Leben.

Lodran war nach diesem Kampftag ebenso wie die wenigen Überlebenden seiner Truppe abgelöst worden und ging zu seinem Quartier. Durch unglaubliches Glück war er fast unverletzt. Am Eingang des Ritterquartiers war niemand zu sehen. Die Tore standen offen und Lodran trat in den menschenleeren Innenhof ein. Zuerst wollte er gleich zu seiner Schlafstätte gehen, doch dann kam ihm die Drachenkralle in den Sinn. Zu Andrubals Arbeitszimmer gleich neben den ebenfalls leeren Pferdeställen war es nicht weit und so wollte er doch noch dort vorbei schauen, ob der alte Gelehrte etwas über den außergewöhnlichen Fund herausgefunden hatte. Am Rande der Erschöpfung war Lodran nicht besonders aufmerksam. So bemerkte er auch nicht den verirrten Brandpfeil, der, abgeschossen von einem der letzten überlebenden feindlichen Krieger auf der Mauerkrone, in diesem Moment in das Dach des Pferdestalls fiel, sondern klopfte nur müde an Andrubals Tür. Keine Antwort. Nur Stille überall in diesem verlassenen Haus und immer weiter nachlassender Schlachtenlärm aus der Richtung der Mauer. Lodran überlegte kurz und öffnete die Tür. Das Arbeitszimmer des Gelehrten war leer, aber Andrubal war wohl da gewesen und hatte die Drachenkralle untersucht, drei noch aufgeschlagene Bücher, ein Pergament, eine Schreibfeder und die Drachenkralle selbst lagen durcheinander auf dem Tisch.

Lodrans Neugierde siegte schließlich über seine Hemmungen, hier herum zu schnüffeln. Er setzte sich in den Lehnstuhl an den Tisch und nahm die aufgeschlagenen Bücher zur Hand. Das erste war wohl so etwas wie ein Wörterbuch der mirumischen Sprache, ein weiteres beschäftigte sich mit der Deutung von alten Schriftzeichen. Das dritte sah am interessantesten aus. „Wesen und Untergang der Drachen“ hieß es und aufgeschlagen war es relativ weit hinten. Es schien selbst uralt zu sein, doch es war in einer älteren Form der hiesigen Sprache verfasst und so konnte er den Text lesen.

Das aufgeschlagene Kapitel ging um den Tod der letzten feuerspeienden Riesenlindwürmer vor über 1000 Jahren. Am Ende waren nur noch eine Drachenmutter mit ihrem Jungen von den höheren Drachen übrig gewesen und Drachentöter – Gemeinschaften aus Magiern und Kriegern - waren auf ihrer Spur. Die Drachen wurden in die Enge gedrängt. Mehrere ihrer Verfolger hatte die Mutter bei dieser Jagd mit ihrem Feueratem und ihren scharfen Krallen in den Tod gerissen, doch die Menschen kämpften mit List und Magie und die Drachen bluteten bereits aus zahlreichen Wunden. Als beide schon sehr geschwächt waren, trat ein Krieger mit einem riesigen Schwert an das Junge heran, um es diesem in den Hals zu stoßen und sein Leben zu beenden. Doch die Mutter schlug mit ihrer Kralle nach dem Angreifer. Sie verfehlte ihn knapp und langte mit ihrer Pranke in sein Schwert, so dass dieses auf den Boden niederfuhr, direkt durch den vorderen Unterschenkel ihres Jungen. So wurde seine Klaue abgetrennt und Blut schoss aus dem Stumpf, das Junge verblutete. Wütend vor Zorn im Todeskampf verwünschte die Drachin daraufhin den Krieger. Auch wenn ihr eigener Feuerodem versiegte, würde er am Element der Drachen, dem Feuer sterben und nicht nur er. Die Krallen des Jungen würden über den Erdball jagen, von Menschenhand zu Menschenhand und jeder, der sie berührte, würde ebenfalls kurz danach dem Feuer zum Opfer fallen, das ausgestorbene Geschlecht der Riesenlindwürmer würde so gerächt werden.

Lodran war geschockt und fing an zu schwitzen. Er glaubte eigentlich nicht an solche Geschichten. Aber er wusste, was heute passiert war. Hastan und Kestor – beide hatten die Drachenkralle nur einen Tag zuvor berührt. Beide waren am Feuer gestorben. Auch den toten mirumische Krieger, der die Kralle als Talisman um den Hals getragen hatte. Ihn hatte dasselbe Schicksal ereilt. Hastig las er im Buch weiter.

Zunächst dachten die Drachetöter daran, die Klaue einfach liegen zu lassen. Doch da der betreffende Krieger am nächsten Morgen bei einem Waldbrand ums Leben kam, wurden sie ängstlich. Sie achteten darauf, das niemand sie noch berührte. Mit einem Schwert wurden die vier Krallen von der Klaue entfernt und in eiserne Kästchen verpackt. Die Kästchen wurden verteilt auf die Drachentöter, die aus verschiedenen Orten kamen. So kamen zwei Krallen in die Schatzkammer des Königs von Mirum und zwei in die mächtige Hafenfestung der Stadt Nibon. Sie wurden dort eingemauert und magisch versiegelt. Tausend Jahre sollte das magische Siegel halten und die Krallen vor ungeschütztem Zugriff sicher sein. Tausend Jahre. Lodran kannte den Namen der Hafenstadt. Vor dreißig Jahren gab es Westen des Kontinents heftige Kämpfe. Sie wurde hierbei völlig vernichtet und dem Erdboden gleich gemacht - die mächtige Festungsstadt Nibon.

Mit großer Furcht betrachtete Lodran die Drachenkralle und wich von ihr zurück. Sein angsterfüllter Blick traf auf das Pergament auf dem Schreibtisch und bereits vom Lehnstuhl aufstehend griff er danach. Auf ihm befanden sich zahlreiche Notizen Andrubals, vieles durchgestrichen und wieder hingeschrieben, doch ganz unten auf dem Papier machte der Text Sinn – er war die Inschrift: „Hüte Dich vor der Kralle. Hüte Dich vor dem Feuer der Drachen. Hüte Dich vor jeder Berührung. Hüte das Feuer und bringe die Kralle weg von den Menschen.“

Lodran konnte das Feuer schon riechen. Rauch und Feuer, seine Einbildung und Panik spielten ihm einen Streich. Langsam ging er zur Tür von Andrubals Zimmer und öffnete sie. Eine Stichflamme züngelte durch die offene Tür und setzte ihn in einem Moment komplett in Flammen. Draußen brannte der Pferdestall lichterloh.

5

Dion war ein gewissenloses Schlitzohr. Seine Heimatstadt, die Königsstadt des Südens, war eben nur um ein Haar ihrer Eroberung und völligen Zerstörung entgangen. Nur ein Entsatzheer der Verbündeten des Königs hatte in letzter Minute ihre Rettung gebracht. Doch er dachte bereits wieder nur ans Geschäft.

Dion hatte es sich während der Belagerung im Keller seines Hauses gemütlich gemacht. Jetzt nach der Schlacht hatte er sich sofort freiwillig gemeldet. Für eine Truppe, die in der Stadt Wohnungen von während der Belagerung gefallenen Bürgern räumte, um Platz für obdachlose andere Städter zu schaffen, die in der zerstörten Vorstadt gewohnt oder ihr Haus durch eine Zerstörung in den Kämpfen verloren hatten. Eigentlich sollte er nur Eigentum Verstorbener zur gerechten Verteilung oder Aushändigung an die Erben in die Königsburg bringen, doch wer wusste schon, wer welche Sachen besessen hatte, was vielleicht in den Kämpfen verloren gegangen war und so wanderte immer wieder das eine oder andere wertvollere Stück in Dions Keller, der ihm eine so gute Zuflucht während der Schlacht gewesen war.

Gerade stöhnte er schwer unter einem Regal, das er gemeinsam mit seinem Schwager und Partner aus diesem Zimmer trug. Eigentlich sollten Möbel in den betreffenden Wohnungen für die Nachbenutzer verbleiben, doch Dions Schwager hatte nur ein so schäbiges Regal zu Hause und sie hatten ja auch noch Platz auf ihrem Fuhrwerk. Und ein zweites Regal für die neuen Bewohner stand ja auch noch da. Dion und sein Schwager legten das Regal auf ihren Wagen, auf mehrere Stapel Bücher, die sie eben aus diesem Zimmer getragen hatten. Sie hatten beschlossen, diese ehrlich in der Königsburg abzuliefern, denn sie konnten nicht nur beide nicht lesen, sondern kannten auch niemanden, der für die alten Schinken etwas zahlen würde. Auch waren sie zum Teil nicht mehr ganz in Ordnung, ein Brand, der nebenan in einem Pferdestall gewütet hatte, hatte auf Teile dieses Zimmer übergegriffen und viele der Bücher war von Brandspuren übersäht oder vom Löschwasser beschädigt.

Dion ging noch einmal zurück ins Zimmer. Sein Blick fiel abfällig auf einen angekokelten Lehnstuhl und einen teilweise schwarz angekohlten Tisch. Hier war nichts mehr lohnenswertes zu holen. Erstaunlich eigentlich, hatte dieses Zimmer doch dem angesehenen Gelehrten Andrubal gehört, der während der Schlacht ums Leben gekommen war. Mitten in der Stadt war er Opfer eines Brandes geworden, den irgend ein versprengter feindlicher Soldat unweit der Königsburg gelegt hatte.

Dion wandte sich gerade zum Gehen, da fiel ihm auf dem Tisch ein Gegenstand auf, der ihm wohl davor entgangen war, weil der Brandschaden den Tisch schon am Anfang aus seinem Kalkül der verwertbaren Gegenstände geworfen hatte. Er hob das Ding auf und betrachtete es. Es war überhaupt nicht vom Brand beschädigt worden, sondern glatt und von einer mittelgrauen Farbe mit einem eigenartigen Schimmern in allen Farben des Regenbogens. „Was für ein Tand !“ dachte sich Dion und schaute den Gegenstand von allen Seiten an. Er hatte eine merkwürdige gebogene Form und das Schimmern war irgendwie faszinierend. In irgendwelchen Zeichen war etwas eingraviert. Dions Schwager schaute zur Tür herein.

„Na, hast Du noch irgend etwas gefunden ?“ fragte er.
„Ich weiß nicht, ob man es gebrauchen kann, aber schaut irgendwie interessant aus“ , antwortete Dion und steckte den Gegenstand, eine Drachenkralle, erst einmal in seinen Beutel. Wegwerden konnte er das Ding ja auch später. Der Schwager grinste und langte in seine Rocktasche. "Ja, ein schönes Ding, nicht wahr ?" meinte er und zog eine Drachenkralle, die Dions aufs Haar glich, aus seinem Bündel. "Hab ich auch eins gefunden, trug eine verkohlte Leiche um den Hals, die ich am letzten Tag der Schlacht durchsucht hab. Schimmert so schön."

Dion hasst die Leichenfleddererei seines Schwagers. Dieser war einfach so niveaulos. Aber egal. „Also auf, wir fahren jetzt. Auf den Wagen.“ Beide gingen durch den Innenhof und stiegen auf ihr Fuhrwerk. „Was willst Du eigentlich machen, wenn wir unsere Aufgabe hier beendet haben ? Irgendwann sind die Buden der Toten der Schlacht doch mal alle für ihre neuen Bewohner hergerichtet ?“ Dions Schwager hängte sich immer wieder an seinen Rockzipfel, um zumindest eine kleine Scheibe seiner Geschäftsgewinne für sich abzuschneiden.

„Hm, während dieser Belagerung habe ich irgendwie Gefallen an der Kriegskunst gefunden.“
Dions Schwager stutzte. „Du hast doch während der Belagerung überhaupt nicht gekämpft.“
„Nein, nicht das Kämpfen direkt hat es mir so angetan. Aber wo gekämpft worden ist, bleibt viel liegen, das niemandem mehr gehört und man nur noch aufheben muss, ohne dass noch jemand da ist, der sich deswegen aufregt.“
„Und was hast Du vor ?“
„Ich denke, ich werde mich dem Rachefeldzug des Königs anschließen. Im Tross und nicht bei den Kriegern. Weißt Du nicht, sie wollen doch in den nächsten Monaten ein riesiges Heer aufstellen und gegen den König von Mirum ziehen, der sich dummerweise unseren nun geschlagenen Feinden abgeschlossen hatte. Du weißt, was das heißt ?“ Der Schwager schaute nur ein wenig dümmlich. Nein er wusste es nicht. Mirum war für ihn nur ein Wort, dessen Bedeutung er nicht verstand.

„Na die Schatzkammern eines fast 1500 Jahre alten Reiches werden geplündert ! Komplett leergeräumt ! Wer weiß, ob da nicht die eine oder andere Münze für den alten Dion abfällt.“
Dion schnalzte mit der Zunge. Der Wagen setzte sich in Bewegung.

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