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Schon wieder rumpelte es in der Speisekammer. Pröndl war sehr mulmig zumute. Die Katze konnte es nicht sein. Sie war eben um die Ecke ins Bad abgebogen und er konnte auch gerade ein genüssliches Scharren in der dortigen Katzentoilette hören. Auch war er heute (mit Ausnahme des Familientiers) ganz alleine in der Wohnung. Aber es rumpelte und rumpelte. Vorsichtig näherte er sich der Speisekammertür. Er horchte. Wieder ein Geräusch. Dann schien etwas herunter zu fallen. Wenn der italienische Schinken nicht gerade lebendig geworden war, ging hier etwas sehr merkwürdiges vor. Die Klinke ging langsam nach unten. Eilig wich Pröndl einige Schritte zurück. Vielleicht träumte er ja auch gerade, lag eigentlich drüben auf der Couch am laufenden Ferseher. Jetzt wäre ein idealer Moment zum aufwachen gewesen. Doch er wachte nicht auf. Die Klinke senkte sie ganz allmählich tiefer und tiefer.
Dann mit einem Satz schwang die Tür auf und vier Gestalten blieben im Türrahmen stecken, als sie gleichzeitig versuchten, durch ihn durch zu springen. Und es waren sehr merkwürdige Leute.
"Obacht. Ich bin hinten wieder rausgekommen. Ich schieb Euch da durch." Die anderen drei rappelten sich vom Boden auf und schauten Pröndl misstrauisch an. „Ein Bewohner des verzauberten Reiches" meinte der Zwerg. "Nein, das wäre zu offensichtlich zu leicht durchschaubar." meinte die Amazone. "Bestimmt eine optische Illusion." "Ich könnte doch einen Feuerball ..." meldete sich der Kuttenträger zu Wort. "Nein !" schrien Kriegerin und Zwerg wie im Chor, "willst Du uns alle in Brand stecken?" Der Kuttenträger wirkte enttäuscht. Der Zwerg schien nachzudenken. "Wir machen das so. Unser großer Freund Bjork hier", der Zwerg zeigte auf den Hünen, "bewacht dieses Wesen, bis wir durch die Tür sind und geht dann rückwärts uns hinterher, sobald wir diesen Gang dort erreicht haben." Mit seiner Streitaxt zeigte der Zwerg auf den Korridor Richtung Bad. Langsam zogen nun die drei kleineren Eindringlinge große Rucksäcke aus der Speisekammer und pirschten sich vorsichtig mit erhobenen Waffen auf den Korridor zu. Bjork baute sich mit schlagbereitem Morgenstern vor Pröndl auf. Dieser schwitzte mittlerweile wie ein Verrückter und zwickte sich mehrfach bei erfolglosen Aufwachversuchen. Leider tat das Zwicken weh, so dass Pröndls Schweißausstöße Gesellschaft durch ein wenig Zähnegeklapper erhielten.
Die anderen drei mit der Amazone an der Spitze hatten inzwischen die Mitte des Korridors erreicht. Abrupt hielten sie an. Das Gesicht der Amazone erstarrte. Mit zufriedenem Blick kam die Katze aus dem Bad, bemerkte die drei Eindringlinge und schaute sie fragend an. Pröndl wartete ein wenig. Von draußen hörte er Geräusche. Vorsichtig blickte er durch den Korridorgang nach draußen und versteckte sich halb an der Wohnzimmerecke. Die Amazone brach gerade mit ihrem Schwert die Stahltür gegenüber auf. Sie hatten sich jetzt wohl auf ein Ritual geeinigt. Der Zwerg öffnete mit einem Ruck und Bjork trat hinein. Danach fiel er den Aufzugsschacht hinunter. Nach einer Weile ertönte ein Platschen. „Naja, er wird´s überleben“ meinte die Amazone gelassen und kramte in ihrem Rucksack. Nachdem sie ein Seil herausgezogen hatte, bemerkte sie, dass auch der Zwerg und der Kuttenträger aus ihren riesigen Bündeln Seile herausgeholt hatten. „Eins reicht“ meinte sie gereizt und befestigte ihres seitlich im Aufzugschacht. Dann seilte sie sich hinab. Die beiden anderen schauten etwas zerknirscht, folgten ihr und schlossen die Aufzugstür. Pröndl war wieder alleine. Am nächsten Morgen stapfte Pröndl schlaftrunken mit ein paar leeren Flaschen im Arm die Kellertreppe hinunter. Von seinen gestrigen Erlebnissen hatte er weder seiner Frau noch seinen Teenie-Töchtern etwas erzählt. Er hatte irgendwie Angst, für übergeschnappt erklärt zu werden, falls er von seinem Besuch erzählte. Er war sich eben auch gar nicht so sicher, ob er nicht vielleicht übergeschnappt war. Wären da nicht die Kratzspuren am Speisekammertürrahmen gewesen, hätte er heute alles als eine Halluzination abgetan. Im Keller angekommen wollte er gerade den Lichtschalter betätigen, als er Stimmen hörte. Stimmen, die ihm bekannt vorkamen. Stimmen, die ihn zwar ängstigten, deren Realität jedoch der einzige Beweis dafür waren, dass er doch noch nicht übergeschnappt war. Pröndl ging leise durch den Kellergang auf die Quelle der Stimmen zu. Da, um die Ecke musste sie sitzen. Pröndl schaute durch einen Kellerverschlag durch und sah seine vier Besucher von gestern, die im Halbkreis mit dem Gesicht zur Wand standen.
„Das ist hier echt zu schwer, das schaffen wir noch nicht“ hörte er den Zwerg sagen.
„Wo sollen wir denn noch nach diesem blöden Schatz suchen?“ fragte der Kuttenträger.
Dann trat eine Pause im Gespräch ein. Alles war wie immer bei den vieren unheimlich. Sie schienen sich im Halbkreis gruppiert mit der Wand zu unterhalten. Aktuell hörten sie ihr wohl zu. Dann sprach wieder die Amazone. „Wenn Bjork nicht in der 20. Stufe wäre, wäre er vorhin beim Sturz in diesen Schacht auch noch gestorben! Jetzt gib uns schon einen Tipp, wo wir noch suchen können.“ Sie wirkte nun etwas säuerlich. „Was soll das heißen, Du bist eigentlich gar nicht da?“ fragte der Kuttenträger die Wand „Du kannst uns doch ruhig wenigstens ein bisschen helfen oder?“ Also wohl doch Halluzinationen dachte sich Pröndl mit Sorge. Er hasste Psychiater. Vielleicht sollte er seine Halluzinationen einfach für sich behalten. Es war vielleicht nur der Stress von der Arbeit. Noch ziemlich beunruhigt schlurfte er zu seinem Kellerabteil. Es war gar nicht abgeschlossen, was ihn ein wenig wunderte. Aber er war ja offenbar momentan ein wenig verwirrt. Er ging zu den Getränkekästen hinten im Eck und tauschte seine Flaschen gegen neue aus. Aber da glitzerte doch was unter dem Kasten. Pröndl schon einen Wasserkasten beiseite. Ein Loch kam darunter zum Vorschein, das vorher nicht da gewesen war. Ein Beutel und eine Glasflasche lagen darin. Pröndl holte beides heraus. Und schaute interessiert hinein. Der Beutel war voll mit purem Gold. Die Flasche enthielt etwas, was aussah wie kreisrunde Kapseln. Ein Etikett klebte auf ihr. „Abenteuerpunkte“ stand darauf.
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