Das Geschenk für meine Tochter Sabrina Es war einmal ein Mädchen, mit schönen langen blonden Haaren und blauen Augen. Sie hieß Sabrina. Sabrina war ein Kind mit viel Unternehmungslust. Ständig musste sie irgend etwas tun. Bei schönem Wetter war sie gar nicht zu bremsen, da spielte sie draußen mit anderen Kindern oder ging zum Schwimmen. Bei schlechtem Wetter war sie am Basteln, las Bücher oder Hefte, schaute Fernsehen oder saß am Computer. Sabrina freute sich schon wochenlang auf ihren Geburtstag. Endlich war er gekommen. Nun war sie schon 11 Jahre alt. Sie war gespannt, ob alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen würden. Deshalb war sie morgens auch ganz schön aufgeregt, als sie die ersten Geschenke auspackte. Endlich......eine tragbare Musikanlage und eine tolle CD. Jetzt wollte sie natürlich die Anlage noch ausprobieren, doch ihre Mutter drängte zur Eile, denn sie musste ja leider, leider noch zur Schule. Die Zeit zog sich endlos dahin. Ausgerechnet heute hatte sie auch noch 6 Stunden Unterricht. Aber auch die Stunden gingen vorbei. Sie hetzte nach Hause. Dort gab es erst einmal Mittagessen. Mmm, Apfelpfannkuchen, ihr Lieblingsessen. Und nun konnte sie endlich die Anlage ausprobieren. „Echt cool das Gerät.“ Am Nachmittag kamen dann die Geburtstagsgäste. War das eine Aufregung. Jede Menge Geschenke. Sabrina hatte fast alles bekommen, was sie sich gewünscht hatte. Aber das tollste, das wirklich tollste Geschenk war ein Spiegel. Kein kleiner Handspiegel, nein, ein Großer, etwas größer als sie selbst. Außen befanden sich große, schwere Ornamente in Blumenform. Der ganze Rahmen war mit Goldfarbe bemalt. Er machte einen wahnsinnig kostbaren Eindruck. Sabrina konnte sich nicht satt sehen . Immer wieder musste sie hineinschauen. Abends musste ihr Vater den Spiegel, in ihr Zimmer bringen. Nirgends war Platz für ihn. Er war eben doch sehr groß. Kurzerhand wurde das Sofa beiseite geschoben. Nun konnte der Spiegel an der Wand stehen. Vor dem Schlafengehen schaute Sabrina ihn noch lange an. Dann schlief sie glücklich ein. * Bis Weihnachten waren es nicht mehr viele Tage, dennoch kam ihr die Zeit unendlich lang vor. Das Wetter trug dazu bei, es war hundsmiserabel. Temperaturen um 5°C+, keine Sonne und nasskalt. Jeden Tag saß sie mindestens eine halbe Stunde vor dem Spiegel. Sie unterhielt sich sogar mit ihm. Manchmal hatte sie den Eindruck, er würde zuhören. Einen Tag vor Heiligabend, Sabrina war schon ganz aufgeregt, da sie am nächsten Tag mit ihrem Vater ins Kino wollte, geschah es! Wie jeden Morgen, nach dem Aufstehen, schaute Sabrina in den Spiegel. Aber was war das? Gestern war der Spiegel doch noch ganz normal, aber heute......... Wo sie sonst ihr Spiegelbild sehen konnte, war heute nichts. Die Fläche war vollkommen schwarz. Langsam ging sie näher heran. Das konnte doch nicht sein, was war mit dem Spiegel geschehen? Sie wollte mit den Händen die Fläche berühren, doch kurz davor stoppte sie. Das Schwarz strahlte eine unheimliche Kälte aus. Schnell zog Sabrina ihre Hände wieder zurück. Was war mit ihrem Spiegel passiert? Sollte sie ihre Eltern informieren? Nein, dies war jetzt ihr Geheimnis und sie wollte es selbst erkunden. Langsam streckte sie wieder ihre Hände zur schwarzen Fläche. Jetzt müsste ich etwas fühlen, dachte sie. Aber sie fühlte nichts. Immer weiter näherte sie sich dem Spiegel. Bald trennten nur noch wenige Millimeter ihre Nase von der Fläche. Nichts, nur Kälte. Noch ein kleines Stückchen näher und — plötzlich war das Schwarze verschwunden. Sie konnte einen Raum erkennen, den sie noch nie gesehen hatte. Schnell ging sie wieder einen Schritt zurück. Nichts, der Raum war wieder verschwunden und die schwarze Fläche war wieder da. Unfassbar, man konnte also in den Spiegel hineingehen. Aber was lag dahinter, eine andere Welt, eine andere Dimension? Sabrina schwirrte der Kopf, sie musste sich erst einmal setzen. Sie überlegte was sie tun sollte. Es hatte doch sicher einen Grund, warum der Spiegel sich jetzt erst geöffnet hatte. Brauchte man sie? Wollte man sie locken? War es wie bei Bastian in der Unendlichen Geschichte, oder nur ein Traum wie bei Alice im Wunderland? Sabrina kniff sich vorsichtshalber in die Wange. Autsch, das tat weh. Nein, sie träumte nicht. Sollte sie es wagen und den Raum dahinter erkunden? Sie gab sich einen Ruck. Lieber so ein tolles Abenteuer als die dumme Schule. Und außerdem, vielleicht brauchte man sie ja dort drüben. Schnell schrieb sie ihren Eltern noch einen Zettel, daß sie sich keine Sorgen machen sollten und klebte ihn an den Rahmen. Dann zog sie sich an und packte noch ein paar wichtige Sachen in ihren Rucksack ( eine Taschenlampe, einen Apfel, Papier und Stifte, ein Garnknäuel, Taschentücher und ein paar selbstgebackene Kekse). Das Abenteuer konnte beginnen. Lust auf mehr? Die ganze Geschichte findet ihr auf Lady Morengas Website. © 1994 by Anke Brockmann All rights reserved.