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Machtwechsel im Wodkaregal

Fotos: (c) ISF Distribution

(Moskau) Der Präsidentenwechsel von Putin zu Medwedjew wirft seine Schatten bis in die russischen Supermärkte. War bisher der „Wodka Putinka“ einer der wichtigsten Marktführer unter den Wässerchen des Landes, haben sich nun bereits diverse Großbrennereien die Rechte am Namen des Nachfolgers gesichert. Der „Wodka Medwedjewa“ steht kurz vor seiner Markteinführung.

Wodkamarken werden in Russland eigentlich eher selten Personen gewidmet - außer es handelt sich um Gründerväter der betreffenden Brennerei. So erfolgte die Benennung des Wodkas Putinka drei Jahre nach der Amtseinführung von Wladimir Putin offiziell auch nicht nach ihm, sondern nach dem russischen Wort „put“ - der Weg. Sowohl im Land als auch international war jedoch jedem klar, dass der Hersteller - die Moskauer Großdestille Kristall - hier den Namen des Staatsoberhaupts für einen guten Umsatz nutzen wollte. Die internationalen Erfolge von Marken wie „Gorbatschow“ (aus Deutschland) und Boris Jelzin (aus Frankreich) waren da wohl Vater eines Gedankens. Und beide haben mit dem betreffenden Politiker ja schließlich ebenfalls nichts am Hut *).

Das Marketingkonzept funktionierte und Putin´s Wodka gibt es heute in Russland flächendeckend bis in den letzten Provinzladen zu kaufen. Keinen Abbruch tat daran die Tatsache, dass es der Präsident selbst vor allem in den frühen Jahren seiner Amtsausübung tunlichst vermied, öffentlich überhaupt mit einem Wodkaglas in der Hand aufzutreten. Zu frisch waren in dieser Zeit noch die Erinnerungen an den Vorgänger Boris Jelzin, der den Wodka bei öffentlichen Auftritten reichlich nicht nur in der Hand gehabt hatte, sondern auch im Blut. Auch als später Putin häufiger mit dem Konkurrenzprodukt „Russky Standard“ gesehen wurde, schadete das den Verkaufszahlen den Wodka Putinka nicht. Er steigerte seinen Marktanteil im Land von 2003 bis 2006 auf fast das Doppelte.

So verwundert es nicht, dass bereits Ende letzten Jahres, als es klar war, dass der Nachfolger Putins Medwedjew heißen wird, von einem noch unbekannten Konzern Anträge auf Markenschutz für einen „Wodka Medwedjewa“ gestellt wurden. Offen ist derzeit nur noch, wer der Antragsteller ist und ob er tatsächlich behaupten wird, sein Wässerchen wäre nur nach dem russischen Bären („medwed“) bekannt.

Doch Rospatent - die russische Markenregistrierungsbehörde - sollte noch mehr zu tun bekommen. „Zar Medwed“ und „Wolodja i medwedi“ (Wolodja und die Bären) folgten als weitere Registrierungen für Wässerchen kurz danach. Dieses mal ist die Firma bekannt, die sich die Namen sicherte, es handelte sich um die Edelagentur Kaufman Production. Was die meisten Mitteleuropäer dabei nicht wissen - „Wolodja“ ist die Verkleinerungsform vom „Wladimir“, so dass Wladimirchen und die Medwedjews durchaus eine Nutzung von gleich zwei Staatsoberhäuptern für eine neue Spirituose bedeuten dürfte.

Hier zeigen sich dann doch beträchtliche Mentalitätsunterschiede der Bewohner der Russischen Föderation zu denen deutschsprachiger Länder. Oder welcher Marketingstratege würde hierzulande den Doppelkorn „Gerhard Schröder“, das Kirschwasser „Angela Merkel“ oder „Helmut Kohl - Williams Christ Birne“ auf den Markt werfen?

*) Wodka Gorbatschow ist nach dem ursprünglichen Produzenten Leontowitsch Gorbatschow benannt, der 1917 von Sankt Petersburg nach Berlin emigrierte. Er ist mit Michail Gorbatschow nicht verwandt, das von ihm geschaffene Produkt profitierte ab den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts aber erheblich von der Namensgleichheit mit diesem; der Wodka Boris Jelzin ist eine französische Schöpfung als Nachahmer des Gorbatschow-Namenserfolgs, exportiert aus Petersbach im Elsass an der deutsch-französischen Grenze überhaupt ohne nichtstrategischen Bezug zu Russland

Weblinks:

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