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Saljonka - ein kleines Totes Meer
(Sol-Iljetsk) Der Salzgehalt des Wassers ist so hoch, dass die Haut nach dessen Verlassen von einer weißen, schimmernden Schicht überzogen ist. Egal, wie man herumplanscht oder sich treiben lässt, man geht im lauwarmen Nass, das aufgrund des vielen Salzes schwerer als der menschliche Körper ist, nicht unter. Nein, die Rede ist hier nicht vom Toten Meer, sondern von dessen kleinem russischen Bruder, dem Saljonka-See in Sol-Iljetsk, keine 50 km vor der Grenze von Kasachstan.

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An sich ist Sol-Iljetsk eine völlig durchschnittliche russische Provinzstadt der Grassteppe zwischen Ural und Kasachstan. Eine schöne russische Kirche, ein kleines Rathaus, das obligatorische Denkmal für die Helden des 2. Weltkrieges, ein Gefängnis (mit dem außergewöhnlichen Namen ´Schwarzer Delphin´), eine ganze Reihe von kleinen oft idyllischen Häuschen aus Holz und Stein. Die Plattenbauwut der kommunistischen Ära ist an diesem verschlafenen Städtchen fast völlig spurlos vorübergegegangen. Außer einer Salzmine gibt es kaum Industrie, die etwa 30.000 Sol-Iljetsker leben meist von der Landwirtschaft. In der Sowjetära hatte die Stadt noch um einiges mehr Bewohner - viele Russlanddeutsche. Die meisten sind in den 90er Jahren weggezogen. Auch das nichts Besonderes in einer Stadt in der hießigen Steppenlandschaft kurz vor Kasachstan.

Alles nichts besonderes also, wäre da nicht der Saljonka - ein Salzsee unmittelbar vor den Toren der Stadt, der dieser zum Status eines regionalen Urlaubermagnets verholfen hat. Dem Wasser mit dem hohen Salzgehalt wird große Heilkraft bei verschiedenen Hautkrankheiten zugeschrieben und auch der Badespaß kommt im Wasser ohne Untergang nicht zu kurz. Wertvollen Heilschlamm findet man in der Gegend rund um die Stadt und so sind es viele Gesundheitsurlauber, die ihren Weg nach Sol-Iljetsk finden.

Dennoch gibt es kaum touristische Strukturen. Die Gäste aus dem Bereich zwischen der Südwolga und dem Ural campieren direkt am See. Das einzige am Ort vorhandene Hotel wirkt armseelig und verfügt nicht über westlichen Standard. Es gibt eine Disco am Strand (gleichzeitig das einzige Tanzlokal der Stadt), ein paar Kioske und zwei benachbarte Süßwasser-Badeseen. Gäste von außerhalb der Region sind selten, auch wenn Einheimische stolz auf französischen und damit erstmals westlichen Besuch im letzten Jahr sind.

Er ist im Gegensatz zum großen Bruder in Israel also noch ein echter Geheimtipp, der Saljonka und harrt seiner Entdeckung durch westrussische oder gar westeuropäische Touristen. Vielleicht ist es dem kleinen sympathischen Sol-Iljetsk sogar zu wünschen, dass er gar nicht von so vielen entdeckt wird und so seinen Charakter als Geheimtipp in der tiefrussischen Provinz wahrt.

Nachtrag: Dieser Report ist von 2001. Bei unserer Rückkehr zum Salionka 2003 war der Geheimtipp-Status schon um einiges schwächer. Das Areal des Salzsees wurde 2002 von der Frau des Moskauer Bürgermeisters aufgekauft und sogleich eingezäunt und mit Imbissbuden und Umkleidekabinen versehen. Eine touristische Infrastruktur ist im Entstehen, jedoch trifft man am See wegen nun erhobener Eintrittspreise (umgerechnet etwa 1,50 Euro pro Person und Besuch; also für ein russischen Einkommen recht hoch) nur noch wenige Einheimische am direkten Seegelände.

Weblinks:

  • Die Orenburgregion (mit Fotos von Sol-Iljetsk) hier klicken
  • In Sol-Iljetsk gestorben: Bert Brecht´s Schauspielerin Carola Neher hier klicken
  • Dramatischer Buchtipp über den sterbenden großen Bruder des Salionka: Der Aralsee, eine ökologische Katastrophe hier klicken

(Kurzinfos und Links zu weiteren Orten und Republiken der Uralregion finden sich HIER)

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