| Stalin und der tiefste Bunker der Welt |
Stalinbunker; links Querschnitt, rechts Eingang
(Samara) Nur wenige Mitteleuropäer wissen, dass es einen Bunker aus dem 2. Weltkrieg gibt, der doppelt so tief in der Erde versenkt war, wie der legendäre Führerbunker in Berlin. Stalins Notausweichquartier für eine eventuelle Eroberung Moskaus durch die Wehrmacht ist eine unterirdische Stadt in der Wolgametropole Samara, die seit 1991 in Teilbereichen zur Besichtigung freigegeben ist.
Nicht ohne Stolz erzählen deshalb die Fremdenführer geneigten Besuchern, dass es sich hier um den tiefsten Bunker der Welt handelt - 37 Meter unter der Erdoberfläche befindet sich die ehemalige Geheimresidenz. Eine Zahl übrigens, die nach der Wiedereröffnung 1991 gleich Schwadrone von Verschwörungstheoretikern auf den Plan lief, den 37 ist nicht nur die halbe Höhe der Betonverkleidug von Tschernobyl, sondern im Sanskrit die Zahl der Ewigkeit, der Beginn aller Kartennummern von American Express, die Anzahl der Pyramiden im Niltal und die Stammzahl der geheimnisumwitterten Ziffer 666.
Bis 1991 war die Bunkeranlage streng geheim. Selbst ihr Bau im Jahr 1942 - bei Bewegung von 25.000 Tonnen Erdreich - war eine Meisterleistung stalinistischer Geheimhaltungspolitik. Ob der Diktator selbst sich im Bunker aufgehalten hat, ist übrigens bis heute nicht genau gesichert, tatsächlich wurden ja auch die Eroberungsversuche von Moskau von der Roten Armee komplett abgeschlagen. Strategisch günstig jenseits der Wolga wartete deshalb die zwölfstöckige Unterweltsstadt auf ihren eigentlichen Bewohner zeit seines Lebens vergebens, in der noch 114 weitere Menschen hätten wohnen und 600 Schutz vor Bomben finden können - natürlich mit autarker Wasser- und Stromversorgung. Gesichert ist nur, dass im Bunker Musikgeschichte geschrieben wurde, als der russische Komponist Schostakowitsch in den Räumen seine ´Leningrader Sinfonie´ schrieb.
Seit Beginn der 90er kann man nun dieses Geheimprojekt zumindest teilweise besichtigen, genauer gesagt Stalins Arbeitszimmer, einen dazugehörigen Sitzungssaal und einen Erholungsraum - alles in dem dezenten Charme der 40er Jahre eingerichtet. Marx, Engels und Lenin prangen pflichtschuldig an der Wand, doch übermäßigen Luxus sucht der Besucher vergebens. 192 Stufen führen hinab in die Tiefe und die Touristeneinnahmen würden sicher noch besser sprudeln, wenn die Verschwörungstheoretiker auch bei dieser Zahl etwas gefunden hätte, was sich in alten Legenden oder mit satanistischem Bezug auf dieselbe Anzahl beliefe.
Wer einmal in Samara ist und den Stalinbunker besichtigen will: Er befindet sich relativ zentral in der Uliza Tschepaewskaja . Allerdings in einem Hinterhof (aus strategischen Gründen war der Eingang getarnt) und ohne Hinweisschild am Hofeingang, warum auch immer - am besten Einheimische fragen. Gegenüber dem Hof ist ein großes Denkmal bezüglich der Napoleonischen Kriege. Der Bunker ist nur von 11 bis 15 Uhr geöffnet.
Weblinks:
- Infos über den Stalinbunker original aus Russland (russisch) hier klicken
- Der Stalinbunker im Russian History Blog (englisch) hier klicken
- Satellitenfoto Samara bei Wikimapia mit Zoomfunktion hier klicken
- Buchtipp: Flusskreuzfahrten auf der Wolga - hier klicken
(Kurzinfos und Links zu weiteren Städten der Wolgaregion finden sich HIER, Fotogallerie Samara HIER, InRussland NET-Sonderseite Samara HIER)
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