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Wir lieben Omsk!

Fotos: Dmitri Lebedew-GFDL

(Omsk) Die Weltreisenden Sabine und Olaf Börner machten auf ihrem Weg durch Russland 2006 mehrere Tage Rast in der westsibirischen Metropole Omsk. In ihrem Bericht erzählen sie uns von demonstrativem Lokalpatriotismus, dem besten Hotel des Ostens, dem Kampf um die größte Sportgeschäftdichte der Welt und der Herrschaft der russischen Putzfrauen.

Wir lieben Omsk! Das trifft zumindest auf die Omsker zu, denn sie haben diesen Spruch anlässlich ihres 290jährigen Gründungsjubiläums auf annähernd jede freie Fläche der Stadt geklebt. Auch uns hat es hier ziemlich gut gefallen. Absolutes Highlight war unser Hotel "Turist", in dem es neben einem tollen Ausblick auf die Stadt endlich wieder ein eigenes Badezimmer gab. Hinzu kamen zumindest einigerma?en Englisch sprechendes Personal und entgegen der Prophezeiung des Hotelnamens anstatt Touristen jede Menge "Businessmeny", wie das dem Englischen entlehnte russische Wort für Geschäftsleute lautet. Irgendwie hatte ich gleich wieder Lust auf Business, woraus ich gleich den Antrieb entwickelte, einen Artikel über unsere sibirische Flussfahrt für unseren Medienpartner Russland-Aktuell zu schreiben.

Leider erwies das Business Center des Hotels nicht als so verlässlich, wie ich es von einem "Best Eastern Hotel" (Eigenwerbung) erwartet hätte. Das Internet funktionierte einfach nicht, woran auch die beiden das ansonsten ausgestorbene Businesscenter bewachende stöckelschuhbewaffneten blonden Luder nichts ändern konnten. Immerhin nutzte ein "Rabotschy" (russisches Wort für einen körperlich arbeitenden Menschen) die Ruhe des Raums, um dort einen gigantisch gro?en, kaum noch durch die Tür passenden Luftballon geräuschvoll mittels Kompressor aufzublasen und anschlie?end mit "290 Jahre Omsk - Wir lieben unsere Stadt." zu beschriften.

Insgesamt macht Omsk den Eindruck einer Stadt, in der man sehr gut leben kann. Das trifft allerdings wohl nur dann zu, wenn man in der Nähe des historischen Stadtkerns wohnt und arbeitet. Am Stadtrand dieser 1,1 Mio Einwohner zählenden sibirischen Metropole habe ich die bislang grö?te mir bekannte Ansammlung von Industriebetrieben inklusive rauchender Schlote gesehen, wohl eher nicht so das bevorzugte Wohngebiet.

Aufgefallen war mir schon an anderen Orten die ausgeprägte Liebe der Russen für Sportbekleidung. Omsk scheint um den Ruf als die Stadt mit der höchsten Dichte an Sportgeschäften zu kämpfen, um sozusagen die Hauptstadt der Sportausrüstung zu werden. Adidas, Puma, Nike - alle sind sie omnipräsent. Was den Marktanteil angeht, so hat adidas mit gro?em Abstand das Rennen gemacht. Selbst auf den Dörfern laufen die unmöglichsten Gestalten in adidas Klamotten rum, so dass dem Markenverantwortlichen in Herzogenaurach bei ihrem Anblick sicher Bange werden würde. Wahrscheinlich mache ich mir aber ganz unbegründete Sorgen, denn vermutlich trägt die Hälfte der Leute ohnehin nur die Plagiate...

Abschlie?end sei noch unser Besuch in dem lokalen Kunstmuseum erwähnt. Hier haben wir einen Teil der sonst in der berühmten Waffenkammer des Moskauer Kremls ausgestellten Kunstschätze bewundern können. Wahrscheinlich waren es die, die nicht pünktlich zur Touristensaison zwecks Restaurierung aus der Ausstellung entfernt wurden. Es ist nämlich eine besondere Eigenart der Russen, dass sie mit Vorliebe in der Hauptsaison ihre Kunstschätze den Blicken neugieriger Besucher entziehen. So z.B. Im Moskauer Puschkin Museum geschehen, wo die wirklich sehenswerten Stücke (eine kleine und feine Sammlung expressionistischer Werke) kurzerhand in ein neues Gebäude umgezogen wurden und deshalb für über einen Monat nicht zu besichtigen waren.

Einem anderen hier sehr beliebten Trick, die hiesigen Sammlungen vor dem interessierten ausländischen Besuchern zu schützen, konnten wir mit Hilfe unseres Studentenausweises der Moskauer Lomonossow-Universität erfolgreich ein Schnippchen schlagen. Als "russische" Studenten haben wir 50 Rubel (ca. 1,80 €) anstatt der sonst für westliche Ausländer fälligen 250 Rubel (ca. 9 €) Eintritt gezahlt. Obwohl auch nach der russischen Verfassung alle Menschen gleich sind und die Diskriminierung von Ausländern ausdrücklich verboten ist, wird es hier als völlig normal angesehen, dass vermeintlich "reiche" Westler den im Vergleich zu Russen bis zu 7fachen Preis für den Eintritt in hiesige Sehenswürdigkeiten zahlen. Bis vor kurzem galt dies auch für inländische Zug- und Flugtickets, was inzwischen eben aufgrund des Widerspruchs mit der russischen Verfassung abgeschafft wurde. Dies hält manche russische Reiseagenturen aber nicht davon an, trotzdem einen "Ausländeraufschlag" zu verlangen. Also Lufthansa, Deutsche Bahn und defizitäre deutsche Kulturinstitutionen, wie wärs denn mal mit Russen-Preisen?

Verabschiedet wurden wir auf dem Omsker Bahnhof von dem besonders eifrigen lokalen Putzfrauenkollektiv. Um den Reisenden das Warten auf den Zug etwas zu verkürzen, war für nachmittags um 15 Uhr das Komplettwischen des Wartesaals angesetzt. Dazu durften sich alle Wartenden von ihren Plätzen erheben und samt Gepäck den Warteraum verlassen. Nachdem einmal durchgewischt wurde, durfte man wieder rein und es sich wieder bequem machen. So wird Warten auf den Zug nie langweilig

(Den vollen Report der gesamten Weltreise gibt´s auf der Webseite von Sabine und Olaf Börner Weltreise machen. (c) Sabine und Olaf Börner, dieser Auszug wurde hier veröffentlicht mit dortiger freundlicher Genehmigung)

Weblinks:

  • Weltreise machen, die Weltreise-Homepage der Börners hier klicken
  • Omsk On-Line (engl.) - Seite mit vielen Infos hier klicken
  • Omsk RU - offizielle Webseite (russ.) hier klicken
  • Reisetipp: Naturreisen nach Sibirien von Deutschland buchbar bei Paradeast-Reisen - hier klicken

(Kurzinfos und Links zu weiteren Städten Sibiriens finden sich HIER, Bericht von Flusskreuzfahrt vom Polarkreis nach Omsk HIER)

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