Die Arbeit der Schweinfurter Jusos in den 90er Jahren
1990 beschloß [der Juso-Unterbezirk] in Schweinfurt einen radikalen Neubeginn. Unter dem Juso-Unterbezirksvorsitzenden Wolfgang Völker und seiner Stellvertreterin Michaela Saß wurde eine umfangreiche Reform der Strukturen aller Juso-Vorstände durchgeführt. "Wir wußten, so wie es in den 80er Jahren gelaufen war, konnte es nicht weitergehen, sonst hätten wir unsere poltische Arbeit vor Ort zugrunde gerichtet. Juso-Vorstände waren damals riesige Gremien mit 10 bis 15 Mitgliedern, das bedeutete Doppel- und Dreifachposten und ab Mitte der 80er Jahre die Besetzung von Vorständen mit überredeten Leuten, die meist nicht einmal aktiv waren. Solche Vorstände konnten nicht arbeiten."
Deshalb wurden alle Vorstände durch Beschluß der Juso-Unterbezirkskonferenz 1990 auf maximal drei Personen, einen Vorsitzenden mit zwei Stellvertretern, begrenzt mit der Option, sie bei einem Wiederansteigen der Aktivenzahlen auf fünfköpfige Vorstände zu vergrößern. Diese verkleinerten Vorstände waren leichter beschlußfähig und arbeiteten effektiver.
Zeitgleich arbeiteten die Aktiven Aktionen aus, mit denen sie dort präsent sein wollten, wo sich Jugendliche trafen, anstatt, wie bisher, Parteijugendarbeit hauptsächlich an den Haupttreffpunkten der Politik (z.B. Sitzungs- und Tagungsräume) durchzuführen. Neue Veranstaltungsideen abseits vom "Referat mit Diskussion" sollten an alternativen Veranstaltungsorten durchgeführt werden. Die erste Aktion der neuen Art war 1991 am Rande des "Umsonst und Draußen-Festivals. (...)
1991 und 1992 ging es infolge der neuen Arbeitsmethoden mit den Aktivenzahlen der Jusos in Schweinfurt wieder aufwärts. 1992 beteiligte sich die örtliche Arbeitsgemeinschaft (...) mit drei Veranstaltungen am Oberbürgermeister-Wahlkampf.
Einen entscheidenden großen Aufschwung nahm die Juso-Arbeit jedoch erst wieder 1993. Im Mai wurde als neuer Arbeitskreis die "Juso-Schüler/innen Gruppe Schweinfurt" gegründet. Sie sollte zum einen die Interessen der Schülerinnen und Schüler aktiv bei den Jusos und in der Partei vertreten, zum anderen aber auch unter Gleichaltrigen als Vorfeldgruppe unter Schülern tätig sein.
Mit diesem Arbeitskreis wollten die Jusos auch dem Beschluß ihrer Arbeitsgemeinschaft auf Bundesebene, Parteimitglieder gleichberechtigt bei den Jungsozialisten mitarbeiten zu lassen, ein praktisches Forum geben.
Die Schülergruppe erwies sich als großer Erfolg. Bereits drei Monate nach ihrer Gründung verfügte sie über neun, bis Mitte 1994 über 20 bis 25 aktive Mitglieder, womit sie die zweitgrößte Gruppe ihrer Art in Bayern war. Eine Steigerung ihres Bekanntheitsgrades ermöglichte den Schweinfurter Jusos auch die Organisation des Konzerts "Rock gegen Rechts Schweinfurt" in Zusammenarbeit mit dem eigens dafür geschaffenen Zusammenschluß "Schweinfurter Musiker gegen Rassismus" am 02.04.1993. Mit fünfhundert Teilnehmenden war es die größte Veranstaltung des SPD-Nachwuchses in Schweinfurt seit dessen Gründung.
Der Zulauf neuer Aktiver wurde von den Jusos noch im gleichen Jahr genutzt. Im Herbst 1993 wurde der Juso-Kreisverband Schweinfurt-Land neu belebt. Durch Einflußnahme auf überregionale Gremien fand die Juso-Landeskonferenz 1993 im Schweinfurter Naturfreundehaus statt. Im neugewählten Kreisvorstand waren erstmals auch Nichtmitglieder der Partei als stellvertretende Vorsitzende gleichberechtigt eingebunden. Auch das Potential für die Organisation von weiteren Veranstaltungen stieg natürlich durch die Gewinnung der neuen Aktiven, wodurch wiederum weitere Jugendliche und junge Erwachsene ihren Weg zum SPD-Nachwuchs fanden.
1994 wurde eine neue Juso-Gruppe in Werneck gegründet. Außerdem wurden mehrere Seminare zur Schulung der zumeist jungen Mitglieder und weitere Veranstaltungen, wie die bildungspolitische Diskussion "Obrigkeitsstaat Schule" durchgeführt.
Auch eine Wiederanbindung der Schweinfurter Juso-Arbeit an die überörtlichen Gremien fand in diesem Jahr statt. Die Juso-Schüler/innen Schweinfurt begannen eine Delegation zur LandesschülerInnenkomission der Jusos Bayern zu entsenden und stellten von 1994 bis 1995 mit Christian Wölfel den Sprecher der bayernweiten Juso-SchülerInnen.
Anfang 1995 waren die Jusos auf dem Höhepunkt ihrer Aktivenzahlen. An die 40 Jugendliche und junge Erwachsene engagierten sich im Schweinfurter SPD-Nachwuchs, wovon etwa die Hälfte Schülerinnen und Schüler und ebenso die Hälfte Nichtmitglieder der Mutterpartei waren. In diesem Jahr wurde im Stadtteil Bergl-Oberndorf eine weitere "Vor-Ort-Gruppe" der Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen.
Gestärkt durch die "dicke Personaldecke" starteten die Jusos im Januar 1995 ein Projekt: Die "Uns reicht´s"-Aktionswoche für Schuldemokratie mit drei Veranstaltungen in einer Woche, einer vorausgelagerten Pressekonferenz und einer Fragen-Hotline. Die erste bestand in einem Jugendtalk mit der damaligen Bundestags-Vizepräsidentin und heutigen SPD-Landesvorsitzenden Renate Schmidt zum Thema Kollegstufenreform und Schuldemokratie, zu dem 150 Interessierte den Weg in das Café "Vorndran" fanden. Eine sich drei Tage später anschließende Fachdiskussion wurde zum Meinungsaustausch mit der Jungen Union und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft genutzt. Den Abschluß bildete di e gemeinsam mit sieben SMVen Schweinfurter Schulen veranstaltete "Big-Red-Party" mit ca. 250 Besuchern im Brauhauskeller. 46
Bei den Wahlen zum neunköpfigen unterfränkischen Juso-Vorstand 1995 kamen von dessen neugewählten Mitgliedern vier aus Schweinfurt.
(...) Das Jahr 1996 [stand] im Zeichen des Kommunalwahlkampfes. Fünf Jungsozialistinnen und Jungsozialisten kandidierten für den Schweinfurter Stadtrat, dieselbe Anzahl für den Kreistag von Schweinfurt-Land. Auch auf SPD-Gemeinderatslisten waren mehrere junge SPDler zu finden und wollten mit einem eigenständigen Juso-Jugendwahlkampf unterstützt werden. Eine herausragende Rolle spielte hierbei die Gemeinderatsliste der SPD in Werneck, auf der die Hälfte aller Kandidaten unter 25 Jahren alt waren. 48
250 Besucher fanden sich dann im Herbst 1996 nochmals auf der "Q-Summernight" im Stadtbahnhof, wo der SPD-Nachwuchs nochmals die bayerische SPD-Vorsitzende Renate Schmidt präsentierte. Dieses Mal wirkte sie als Diskjockey und Ehrengast eines Empfangs zugunsten des zu Jahresanfang gemeinsam mit den Jugendringen, der DGB-Jugend und den Grünen gegründeten "Aktionsbündnis für Ausbildung" mit.
[1997 traten die Jusos vor allem mit dem Besuch des ehemaligen KZ-Insassen Ludwig Gehm und einer darauf folgenden Fahrt unter dessen Anleitung ins KZ Buchenwald in Erscheinung.]
(...) Für die Landtagswahlen [1998] aufgestellte junge Kandidatinnen (...) wurden aufgrund einer taktischen Übereinkunft mit der SPD Haßfurt von der Mutterpartei nicht unterstützt, woraufhin die Nachwuchsorganisation einen eigenen Wahlkampf durchführte. (...) Nach der Bundestagswahl fanden Neuwahlen des Vorstandes im Juso-Unterbezirk und Juso-Kreisverband Schweinfurt-Stadt statt. Bei beiden Wahlen kam es zu weitgehenden personellen Neubesetzungen.
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