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Russische Märchensammler

Wie im deutschsprachigen Raum hat vor allem im 19. Jahrhundert in Russland eine ganze Reihe von Gelehrten und Literaten Märchen gesammelt und - teiweise bearbeitet - veröffentlicht. Hier eine Auswahl der wichtigsten russischen Märchensammler mit ihren auf Märchen.ru vertretenen Werken:

Alexander Afanasjew
Alexander Afanasjew gilt als der bedeutenste russische Märchensammler und wird auch immer wieder gerne mal als der ´russische Grimm´ bezeichnet. Seine 1861 in Moskau erschienenen Märchensammlung Russische Volksmärchen umfasst äber 300 Märchen. Darunter sind mindestens zwei Drittel der bekanntesten russischen Märchen äberhaupt, die immer wieder teil russischer oder internationaler Märchensammlungen sind

Afanasjew stammte urspränglich aus Woronesch, wo er auch zur Schule ging. Zum Studium der Rechtswissenschaften zog er 1844 nach Moskau und begann sich dort mit der historischen Kulturforschulung zu beschäftigen.

Ab 1849 als Archivar im russischen Außenministerium beschäftigt äbernimmt er 1856 die Leitung einer dortigen Kommision. 1871, zehn Jahre nach Veröffentlichung seines bekanntesten Werkes, stirbt Afanasjew 45jährig in Moskau. Von Afanasiew´s Sammlung stammen auf Märchen.ru alle Märchen, die weiter unten nicht eindeutig einem anderen Sammler oder Autoren zugeschrieben werden.

Alexander Puschkin
Der russische Nationaldichter Alexander Puschkin ist mit Sicherheit der prominenteste unter des Sammlern und Autoren russischer Märchen. In Russland selbst gilt er noch mehr als viele andere große Namen der russischen Literatur wie Tolstoi oder Dostojewski.

Geboren 1799 als Sproß eines Moskauer Adelsgeschlechts wächst er wechselnd dort und bei seiner Großmutter auf dem Land auf. Zur Schulausbildung wechselt er nach Zarskoje Selo unweit von Sankt Petersburg auf ein Lyzeum und setzt sich schon fräh fär eine Weiterentwicklung und Stärkung der russischen Hoch- und Schriftsprache ein, während die russische Aristokratie dieser Zeit noch vorwiegend Französisch spricht. Nach Abschluss des Lyzeums wird er im Sankt Petersburger Kollegium fär auswärtige Angelegenheiten angestellt und schreibt in den folgenden Jahren eine ganze Reihe von Dramen, Gedichten und anderen Werken, die heute zur Weltliteratur gehören.

Durch seine Werke gerät Puschkin rasch in Konflikt mit der Obrigkeit, wird zunächst strafversetzt und darf erst nach Jahren wieder nach Sankt Petersburg und Moskau zuräck kehren. Sein Werk wird von nun an stets kritisch zensiert. 1837 stirbt er an den Folgen eines Duells.

Durch sein sehr vielfältiges Schaffen ist natärlich nur ein Bruchteil der Arbeit Puschkins dem Märchen gewidmet und dennoch gibt es von ihn einige sehr bekannte Werke in dieser Richtung, wie das Märchen vom Fischer und den Fischlein. Von ihm stammt auf Märchen.ru die Märchen Die leblose Prinzessin und König Saltan, eine Niederschrift der russischen Überlieferung eines auch von den Grimms bekannten Märchens, das bei diesen Schneewittchen heißt.

Pjotr Jerschow
Jerschow ist 1815 geboren und stammt aus der Nähe von Tjumen in Westsibirien. Nach dem Besuch des Gymnasiums von Tobolsk widmete er sich der Erforschung Sibiriens und schrieb sein erfolgreichstes Stäck, das Märchen Das buckelige Pferdchen. Mit diesem wurde er mit einem Schlag berähmt, wobei ein Teil des Ruhms auch der Verfassung des Märchens in großer Poesie zu verdanken ist. Diese haben wir bei der hiesigen Übersetzung gar nicht erst versucht, zu imitieren, sondern diese Geschichte gleich in ein deutschsprachiges Prosastäck umgesetzt.

Jerschow arbeitet in den folgenden Jahren als Lehrer in Tobolsk und veröffentlichte weitere, weniger erfolgreiche Geschichten und stirbt 1869

Leo Tolstoi
Dass der russische Autor Tolstoi auch Märchen geschrieben hat, ist in Mitteleuropa eher unbekannt. Doch Märchen hatten vor allem im 19. Jahrhundert in Russland einen hohen Stellenwert und so ist es nicht verwunderlich, dass auch bekannte Autoren mit anderen Arbeitsschwerpunkten dort Märchen veröffentlichten.

Tolstoi ist 1828 bei Tula geboren und stammt aus dem Adel. Nach dem Abbruch zweier Studien in Kasan und einer kurzen Zeit auf seinem Landgut geht er 1851 zum Militär und kämpft in Krimkrieg. Nach seiner Militärzeit interessiert er sich fär Pädagogik, bereist Westeuropa (auch Treffen mit Dickens) und heiratet 1862 die deutschstämmige Sofia Bers, mit der er 13 Kinder hat. In der Folgezeit engagieren er und seine Frau sich fär Arme und politisch Verfolgte im Land und fallen dadurch bei den Mächtigen in Ungnade. In dieser Zeit schreibt er Meilensteine der Weltliteratur: Krieg und Frieden (1868) und Anna Karenina (1877).

Obwohl religiös interessiert (Übersetzung der Evangelien ins Russische 1883) gerät er wegen seiner Abneigung gegen die religiöse Ritualisierung auch in Konflikt mit der orthodoxen Kirche, die sogar in seiner Exkommunizierung gipfelt. Tolstoi selbst sieht seine Ideale in einem religiös motivierten und pazifistischen Anarchismus und lehnt kommunistische Ideen von einer Diktatur des Proletariats ab, da sie seiner Meinung nach zu einer Diktatur von Funktionären fährt. 1910 stirbt er an einer Lungenentzändung, die er sich auf einer Bahnreise zugezogen hat. Auf Märchen.ru finden sich seine beiden kurzen Märchen Das Ungeheuer und Das Mäuschen.

weitere Sammler und Autoren

Neben den vier bekanntesten russischen Märchensammlern- und Autoren gibt es natärlich gerade im 19. Jahrhundert noch zahleiche weitere. So veröffentlicht Iwan Chudjakow 1860-1862 die sehr umfangreiche Sammlung Großrussische Märchen, aus denen Abdrucke und Umsetzungen in einigen Märchensammlungen zu finden sind. Wir haben hier sein Märchen von Schneeflöckchen aufgenommen, das auch in Russland im Vergleich zum gleichnamigen Märchen von Afanasiew weniger bekannt ist. Chudjakow schaffte es wie viele andere Sammler nicht die Popularität zu erreichen, wie Afanasjew und die ´Stars´ dessen Märchensammlung wie Väterchen Frost oder eben sein Schneeflöckchen (Snegurotschka).

Erwähnen wollen wir jedoch doch noch zwei weitere Quellen fär sehr bekannte russische Märchen, so S.T. Aksakow, der das Märchen ´Die purpurrote Blume´ niedergeschrieben hat, das den Stoff fär einen sehr bekannten sowjetischen Märchenfilm lieferte und M.A. Buljatow als Quelle fär ein Märchen äber die sehr populäre Gestalt der Hexe Baba Jaga.

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