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Anna Fenzl: Mein Mariinsky (Buch)

Rezension von: Roland Bathon
Eine ganz persönliche Hommage an das bekannteste Theater nicht nur Sankt Petersburgs hat die in München lebende Russin Anna Fenzl verfasst. Ihr neues Buch ¨Mein Mariinsky¨ schildert ihren Blick hinter die Kulissen des weltberühmten Ensembles und ist auch ein Zeugnis ihrer eigenen Mariinski-Obsession, deren Auswüchse der Erzahlung einen schon fast romanhaften Charakter verleihen.

Das Werk beschreibt in einer Mischung aus Tagebuch- und Erzählungsstil die Wochen im Leben der Autorin, in denen sie selbst hinter die Fassade des Mariinski schauen durfte. Kurz vor Vollendung ihres Studiums in Deutschland wird die junge Russin bei einem Konzert des Petersburger Orchesters in ihrer Stadt von einer Leidenschaft für das Ensemble gepackt, in die stark ihre große Verbundenheit mit der russischen Heimat hinein spielt. Es bleibt nicht beim Besuch hinter der Bühne und Small-Talk mit dem weltberühmten Dirigenten Gergiew.

Wider aller Vernunft beschließt sie, die Anstellung durch das Theater zu erreichen und ihre bisherigen Pläne in Deutschland zu vernachlässigen. Sie reist den Musikern hinterher, nach Amsterdam, Brüssel, Paris und natürlich Sankt Petersburg. Sie verdingt sich für honorarfreie Praktika und Volontariate, beschafft sich Zugang zum Theater. Sie nächtigt notfalls auf Theaterböden und Balkonsesseln, verbraucht ihre Barschaft und verkracht sich deshalb mit der in Russland lebenden Familie. Sie pirscht sich immer wieder an den Ensembleleiter heran, der wie ein Zar über der gesamten Szenerie thront. Immer hat sie den Traum von der Anstellung durch das Theater vor Augen. Diesem hätte sie durchaus nützlich sein können, mit einem doppelten passenden Studium aus Russland und Deutschland und der fließenden Kenntnis von vier Sprachen.

Letztendlich scheitert sie, jedoch ohne die ewig dauernde Verzweiflung von Helden aus klassischen Tragödien. Es bleibt nur wenig Wehmut in dem Blick zurück auf das Mariinski. Was sie aus der Zeit mitgenommen hat, verewigt sie deshalb recht ausgewogen in ihrem Buch. Es ist ein sehr detaillierter Blick auf die inneren Abläufe des weltberühmten Theaters und seines Ensembles. Am Mariinski interessierte Leser erfahren einiges über das Leben der Musiker, ihr Verhältnis zur Leitung, das Leben im Petersburger Künstlermilieu, die Zeiten auf Tour und das Rundherum hinter den Kulissen.

¨Mein Mariinsky¨ liest sich wie ein Roman und ist angenehm und ohne unnötige Schnörksel flüssig verfasst. Gut nachvollziehbar schildert die Autorin sowohl ihr eigenes Innenleben, wie das des Theaters. Enttäuscht wird nur, wer beim Werk ein Sachbuch mit einer schematischen Erklärung des Mariinski erwartet hat. Denn Anne Fenzl schildert ihre Erlebnisse ganz subjektiv nur aus ihrer eigenen Position. Im kleinen Büchlein (92 Seiten) ist auch gar kein Platz für eine umfassende Mariinski-Analyse. Diese wird man hier ebenso wenig finden, wie historische Abrisse. Sehr gut kann man jedoch während des Lesens die Theaterluft ¨schnuppern¨, deren Besonderheit sich bei solch herausragenden Ensembles noch viel stärker verdichtet, als bei einer gewöhnlichen Truppe. Buchtipps und Kaufmöglichkeiten hier, Rezensions-Hauptseite hier.

St. Petersburg
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Kathedrale in Orenburg
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Kathedrale in Orenburg

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